Ich kanns immer noch fühlen

Das erste Konzert, das erste tanzende Herz,
der erste Rausch, das erste Lieblingslied laut…
die erste Zigarette auf der Schultoilette…
das erste Mal Disco, lieber Weezer statt Sisqo
Es ist soviel passiert und die Momente vergehen,

nur dieses Gefühl bleibt für immer bestehen…“   – Revolverheld

Im Januar wird er vier Jahre alt, und ich habe soviel erlebt.  Vier Jahre, die mich wirklich verändert haben. Das Erlebte hat mich verändert, lässt mich anders denken und fühlen.

Alle Ereignisse im Laufe meines Lebens haben mich natürlich verändert und auch geprägt. Sie machen mich aus. Das bin ich. Ich habe gelernt, Erfahrungen gesammelt, vielleicht auch mal aus Fehlern gelernt. Ich wurde verletzt, mein Herz mehr als einmal gebrochen, ich habe Menschen verloren und neue gefunden. Aber ich war immer ich. 

Ich war bei mir, in meiner Welt kannte ich mich bestens aus. Ich wußte, was ich kann und was nicht, wo meine Grenzen sind, wann ich genug habe, wie ich in Stresssituationen reagiere, was mir Angst macht, mich glücklich macht… in meiner Welt herrschte die Leichtigkeit des Seins. 

Bis zum 19. Januar 2015. 

Ich war vorbereitet. Dachte ich. Ich hatte einen Plan. Dachte ich. Aber es kam alles so ganz anders. Alles stand still und drehte sich doch viel viel schneller weiter. Ich war unfähig irgendwie zu handeln, weil es einfach nichts gab, was ich hätte tuen können, um diese Situation zu ändern. Ich war, innerhalb meiner Welt, erschüttert. Der ganze Lebensrhythmus, die Zeit selber, ob Stunden oder Tage, was wusste denn ich, alles geriet aus den Fugen. 
Als ich im Krankenhaus ankam, leuchteten die Reste der Weihnachtsdeko in den Fenster und man wünschte sich noch „Happy New Year“. Als es nach Hause ging, trug ich FlipFlops.

Dazwischen fuhren meine Gefühle und meine Erlebnisse Achterbahn. Vom Feinsten! Ich hatte Angst, wie nie zuvor. Ich fühlte Erleichterung, Glück, wie nie zuvor. Ich hatte Geduld und Mut und Trauer, wie nie zuvor. Ich war hoffnungslos, wie nie zuvor. Mein ganzes (Gefühls)-Leben war auf einmal um unglaubliche Erfahrungen reicher.

Heute, bewege ich mich  in meinem neuen Leben fast schon souverän hin und her. Wie ein Pendel, welches die meiste Zeit von rechts nach links pendelt und genau weiß, wo Ende ist. Doch die kleinste Erschütterung lässt mich wahllos umher schlagen. Die neue Bandbreite meiner Gefühle, lässt mich schneller böse werden, gnadenlos, ungeduldig, panisch. War ich früher oft entspannt und sorglos, drehe ich heute deutlich schneller durch. Die Angst vor der Angst macht mir Stress.

Und das ist genau das, was ich noch dringend lernen muss. Meine „neuen“ Ängste, Gefühle, die machen mir Stress. Grossen Stress bis hin zur Panikattacke. Weil das Thermometer 38 Grad anzeigt. Zum Beispiel. Früher, da hätte ich abgewartet was passiert und dann gehandelt. Dazwischen… nix. Heute drehe ich durch. Fieber = Klinik. Tasche packen. Schnell noch einkaufen. Katzenklo sauber machen. Bevor wir weg sind. Für Monate wieder. Falscher Alarm. Alles zurück auf Los. Einmal Panik to go für alle bitte..

Das war die letzen Jahre wirklich schlimm und für mein Umfeld sehr anstrengend. Seit einigen Monaten kümmere ich mich um mich. Und meine Stress, meine Angst vor der Angst. Und das ist gut so.

Aber, es gibt auch die andere Seite. Das Pendel schlägt auch zur anderen Seite hin weiter aus. Ich habe gelernt, Geduld zu haben. Zu warten. Alleine zu sein mit mir. In guten und und schlechten Tagen. Auszuhalten. Ich bin viel stärker als ich jemals dachte. Und dieses Gefühl, ist großartig.

Ich habe mich verändert. Keine Frage. Die Leichtigkeit des Seins, die Unbeschwertheit, die hat gelitten. Aber dennoch, mein Leben ist reicher geworden. Ich lerne eine Welt kennen, die ich sonst niemals kennen gelernt hätte. Wo ich vorher dankend abgelehnt habe. Ich habe Probleme, die ich so niemals kannte. Aber ich finde es spannend. Ich bin neugierig. Ich möchte soviel noch wissen, lernen, erfahren.

Und: ich kanns immer noch fühlen…  ich bin immer noch ich. Tief in mir. 
Ich muss mich nur noch bisschen einleben 😉

4 Kommentare zu „Ich kanns immer noch fühlen

  1. Ach Jutta, wie immer wahnsinnig berührend…und wie passend…ich bin immernoch ich, ich muss mich nur noch ein bisschen einleben…geht mir genauso! Und das „ich“ muss trotzdem öfter mal gesucht werden…
    Wie sehr ich deinen Blog mag…und oft ging es mir anders und trotzdem irgendwie gleich…

    Gefällt mir

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