Wenn Babys sich ankündigen.

Ihr habt gefragt
 „Wir bekommen ein Baby. Ich bin schwanger“ – Wenn Bekannte, Freunde oder Familienmitglieder ein Baby erwarten, wie fühlt sich das für mich an? Wie gehe ich damit um, was mache ich mir für Gedanken oder auch nicht… 

Ich habe zwei Schwangerschaften bis zur Woche 40 erlebt. Zwei natürliche Geburten, selbstbestimmt wie es heute so hübsch heisst, zwei gesunde Kinder auf die Welt gebracht. Ich war bei der ersten Schwangerschaft sehr jung, die zweite Schwangerschaft war sehr ungeplant und überraschend und bei Beiden hatten wir Eltern natürlich Sorgen. Die Ausbildung / das Geld / Wohnung… das Leben eben.

Meine dritte Schwangerschaft wollte ich in vollen Zügen geniessen. Ich wusste, das ist meine letzte Schwangerschaft und ich möchte einmal ALLES bitte. Übelkeit, Gelüste, dicke Füsse inklusive. Ich wollte einen richtig schönen dicken Bauch, den ich am Ende so richtig satt haben werde. Ich wollte die Bewegungen des Babys spüren und sehen und mit dem Rest der Familie diese spannende Zeit erleben.

Und genau das hatte ich alles nicht. Das alles fehlt mir, fehlt uns. Um diese Zeit der Schwangerschaft fühle ich mich betrogen. Ich war noch nicht fertig mit diesem Schwangersein. Das Gefühl ist in den letzten Jahren auch so geblieben. Diese Zeit, dieses Gefühl, die Schwangerschaft zu Ende gebracht zu haben, die fehlt mir.

Verletzt es mich? Bin ich neidisch? Traurig?
Nichts davon passiert, wenn Freunde, Familie oder Bekannte mir erzählen, dass  sie ein Baby erwarten. Ich bin nicht wehmütig, traurig oder gar neidisch, wenn in meinem Umfeld jemand schwanger ist. Ich freue mich sehr darüber! Vielleicht, weil ich die, die in den letzten Jahren um mich herum schwanger wurden, so gerne habe?! Weil es bei mir schon fast vier Jahre her ist? Es fühlt sich sehr weit weg an. Ich weiss, was ich versäumt habe. Ich konnte es damals nicht ändern, heute noch weniger.
In den ersten Wochen nach frühen Geburt, da haben mich viele Kleinigkeiten sehr getroffen, mich verletzt, sehr traurig und auch wütend gemacht. Wenn Babyzimmer eingerichtet wurden, Kinderwagen gekauft und die werdenden Eltern darüber „geschimpft“ haben, wieviel Arbeit das ist… was das alles kostet… was man alles braucht…  – das waren die Situationen, in denen ich dann wirklich dachte: „Wir können gerne tauschen. Lieber würde ich jetzt durch den 20ten Babymarkt streifen und mich nicht entscheiden können, als hier in der Klinik zu sitzen und nicht zu wissen, ob ich diese hier mit einem Baby im Arm verlassen werde.“
Diese Zeit, hat mich sehr traurig gemacht, oft habe ich mich gefragt, warum denn niemand Rücksicht nimmt auf mich. Aber wäre das wirklich gut gewesen? Mich in Watte zu packen? Dürfen sich meine Freunde, Familienmitglieder jetzt nicht mehr freuen, nicht mehr jammern oder voller Vorfreude sein, weil mir, uns das passiert ist?

Jeder Mensch geht anders mit dem Thema, der Situation um. In dieser ersten Zeit zum Beispiel, hatte ich auch eine hochschwangere Freundin, die mit dickem Bauch unbedingt den Kleinen sehen wollte, die da war. Für mich. Mich gefragt hat, einbezogen hat. Es ist traurig, bleibt auch traurig. Aber es ist ein Teil von mir, ein Teil meines Lebens und nicht das der Anderen. und es hat mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin: Ich bin eine sehr stolze Frühchenmutter.

Bleibt eine Lücke, bleibt die Traurigkeit?
Mit dem Ende der Schwangerschaft und der Tatsache dass der Kleine ein Frühchen ist, damit lebe ich wunderbar. Die frühe Geburt hat sein Leben gerettet. Da rückt alles andere in den Hintergrund. Auch meine Wünsche nach dicken Füssen und nem dicken Babybauch.
Aber, (es gibt immer ein Aber noch) ich weiss noch, wie ich Anfang des  Jahres den kleinen Neuzugang unserer Familie das erste Mal auf dem Arm hatte. Der war ganz winzig noch und neu auf dieser Welt. Mein Mann und ich standen da, mitten im Raum, ich mit dem Baby auf dem Arm, haben uns angeguckt und mir schossen schlagartig Tränen in die Augen: „Guck mal, ich hab ein Baby auf dem Arm“, wir mussten beide schlucken. 
Dieses Gefühl kam so vollkommen unvorbereitet und wie ein Schlag in die Magengrube. Ich hab ein kleines Baby auf dem Arm. Einfach so.
Bei dem Anblick eines neugeborenen Babys steckt mir auch heute noch ein dicker Kloss im Hals. Fast vier Jahre später, fehlt mir die Zeit mit einem neugeborenem Baby, die ersten Tage und Monate. Das wir diese Anfangszeit, diesen Zauber, so nicht hatten, das trifft mich auch heute noch, weitaus mehr, als die dicken Bäuche und die Schwangerschaften um mich herum. Aber auch das Gefühl gehört zu mir dazu.    •

 

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