Reisen

Die Sommerferien stehen vor der Türe und um mich herum, da werden Reisepläne geschmiedet. Ich habe keine Pläne. Wunschziele und Traumländer, die habe ich noch reichlich dagegen. Es gibt so viele Orte, die ich gerne bereisen möchte, die ich gemeinsam mit den Kindern erleben möchte.

Früher. Da sind wir auch mit den Kindern gereist. Früher, das ist die Zeit vor dem Frühchen  in unserer Familie. Wir haben meistens die Sommerferien in Italien verbracht, zwei Wochen in einem Haus mit Pool. Auf dem Rückweg immer mit dem Vorsatz, im nächsten Jahr länger zu bleiben.
Wir haben uns den Traum von einem Roadtrip durch Südafrika erfüllt und hatten eine wunderbare Zeit dort. Zeit, die wir alle gerne zusammen verbracht haben.

In den letzten Jahren, hat sich die Planung der Sommerferien allerdings hier bei uns im Haus sehr verändert. Die grösseren Kinder haben uns, den Daddy, den Kleinen und mich, überhaupt nicht mehr auf dem Schirm. Sie gehen ihre eigenen Wege und die sollen weiss Gott spannender sein, als paar Tage in Holland. Es heisst ab in die Sonne, an den Pool mit Freunden und chillen. Am besten 6 Wochen durchgehend und an verschiedenen Orten natürlich. ( Die pfiffigen Kids planen einen kleinen Stop bei Oma und Opa zwischendurch ein, um das Taschengeld für den Urlaub was aufzubessern.). Einen gemeinsamen Sommerurlaub aber gibt es seit der Kleine auf der Welt ist nicht mehr.

Die vier älteren Kinder werden gross und haben eigene Interessen. Vollkommen normal, ich weiss. Aber dennoch macht es mich jedes Jahr aufs neue traurig und wütend. Traurig, dass sie überhaupt nicht mal in Erwägung ziehen, mit uns irgendwo hin zu fahren. Und wütend, weil sie davon ausgehen dass es normal ist, dass man mindestens zwei Reisen in den Ferien anzutreten hat, davon wie gesagt kein einziger Tag mit uns, aber vollfinanziert.

Wir können nicht mehr so reisen, wie wir das gerne möchten. Und schon gar nicht mehr so, wie es in der heutigen Zeit üblich zu sein scheint. Fuhr man früher mit dem frischen Baby in den Schwarzwald für 10 Tage, gehts heute direkt mal nach Thailand. Aus zwei bis drei Wochen Urlaub in den Sommerferien, wird heute ein monatelanger Aufenthalt rund um die Welt. Es ist, als wenn einem mit gesunden Kindern die Welt zu Füssen gelegt wird.

Unsere Welt ist kleiner. Fernreisen scheiden auf Grund der medizinischen Versorgung im Notfall vor Ort aus. Durchfall oder Mückenstichen sind übrigens jetzt nicht die Sorte Notfall, die ich in unserem Fall meine. Und natürlich sind unsere finanziellen Mittel seit der Geburt des Klitzekleinen deutlich geschrumpft. War ich vorher freiberuflich tätig und hatten wir zusätzlich noch ein kleines Geschäft, brach dieses Einkommen komplett weg. Den kleinen Laden mussten wir schliessen und andere Aufträge konnte ich nicht annehmen. Immer wieder mussten wir zurück in die Klinik, immer wieder brauchten die Kinder hier zu Hause jemanden, der die Zügel in der Hand hielt. Unsere Welt ist mit dem Frühchen komplett aus den Fugen geraten.

Wir müssen Abstriche machen. An materiellen Dingen und natürlich auch in Sachen reisen. Aber dafür haben wir uns und wir haben einen kleinen Kerl, den wir so sehr lieben und den niemand missen möchte. Dem ist egal, wo wir den Sommer verbringen, Hauptsache wir sind da.
Verrückt oder? Bist du ein kleines Kind, freust du dich über Zeit mit deiner Familie und der Ort ist dir Schnuppe. Dann wirst du älter und plötzlich ist es so wichtig möglichst tolle Reisen in den Sommerferien zu machen, möglichst lange und weit. Und dann, Jahre später wiederum verstehst du, dass nicht das Reiseziel das wichtigste im Leben ist. Sondern die Menschen mit denen du deine Zeit verbringst.

Im Grunde hätte ich vielleicht nur einen Reisewunsch. Einmal mit allen Kindern nochmal in die Sonne. Den Kleinen in den Pool springen lassen, den ganzen Tag in Badehose rumlaufen, im Schatten liegen mittags und schlafen und jeden Abend den Grill anmachen. Einmal mit allen Kindern zusammen einen altmodischen Sommerurlaub machen. 14 Tage.

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