Allgemein Früchenmama Topstorie

moderne Spielplatzsünden.

Mein Blog. Meine Meinung. Mein Leben.
Mutter zu sein in der heutigen Zeit heisst, sich und den anderen Müttern (und Vätern) das Leben unnötig schwer zu machen. Pausenlos sich gegenseitig zu bewerten, zu verurteilen und alles zu glauben was in den hippen In- Büchern und den sozialen Netzwerken zu lesen steht.

Gestern stehe ich in der Buchhandlung hier ums Eck. Mit offenem Mund starre ich minutenlang zwei junge Mütter an, die in diversen Büchern nachlesen, ab wann Kinder fangen spielen sollen/ dürfen. Gekauft haben sie das Buch, in dem steht, dass es ok ist, wenn das Kind 7 Jahre alt ist. Vorab können die Kinder das nicht richtig einordnen oder verstehen. Mit 7 Jahren? In meinem Kopf geht es rund:
Um Himmels Willen, ich hab mit 2jährigen schon munter hinterherlaufen und fangen gespielt. Mit kitzeln. Geht kitzeln? Was haben ich den anderen 4 Kindern hier angetan? Samstags abends, wenn wir zu Zweit die gesamte Meute durch das Haus gejagt haben, um sie auszukitzeln bevor es ins Bett ging?

Nächster Tag. Andere Ecke. Der Kindererlebnisbauernhof. Kinderspielplätze, Waffeln, Tulpen und Tiere. Wir essen hier Sonntags ( oder Feiertags ) ne Currywurst aus dem Bioschälchen und trinken eine Biolimonade. Der Klitzekleine im Sandkasten auf einem der zahlreichen Spielplätze. Einer der wenigen Kinder ohne spezielle Schutzkleidung mit einem der wenigen Elternpaare ohne Funktions-Outdoorbekleidung. Nein, ich habe nichts gegen Outdoor- und Wanderbekleidung und Rucksäcke, die Proviant für eine 2-Tageswanderung transportieren können. Aber bitte alles zur richtigen Zeit und am richtigen Ort. Sagen wir mal so: Ich lege ja auch kein Handtuch morgens auf die Bank und setzt mich dann nachmittags im Bikini hin.
Es handelt sich um erschlossenes Gebiet, keine Wanderstrecke in den Bergen und die Grundnahrungsmittel sind verfügbar. Und wenn nicht, ist man 90% der Fälle in maximal 30 Minuten zuhause.
Auf jeden Fall, und worauf ich eigentlich hinaus will: Ich habe mich heute, als 44jährige 5-fach Mutter in Jeans und gelben Sneakers, zusammen mit dem Vater des Extremfrühchens ( wir sind nicht verheiratet. Wilde Ehe und so 😉 ) folgendes gewagt… Achtung: Uns an den Rand des Sandkastens zu setzen – mit Pommes !!!!! 

Lass ich jetzt einfach mal so stehen und gebe euch die Zeit, dass zu verdauen.

Und dann erzähle ich euch hier, dass das nette Elternpaar, 3 Meter neben uns – beide in blauer Funktionskleidung und mit zwei zauberhaften Söhnen, die vorbildlich wasser- und winddicht im familienblau gekleidet waren, genau dass beanstandet hat. Mit den Worten: „Unglaublich, sich mit Pommes an einen Spielplatz zu setzen“ – Kopfschütteln.

Man müsste nochmal 20 sein. Ganz ehrlich. Mit 20 Jahren hätte ich den Mund aufgemacht. Ohne nachzudenken. Mit 44 Jahren habe ich mich weg gesetzt. Der Klügere gibt nach. In dem Moment war es klug, den Mund zu halten. Aber ich ärgere mich darüber so sehr, dass sollten wir beide uns irgendwo noch einmal sehen, ich werde garantiert neben den Beiden sitzen. Mit Pommes und Mayo und Ketchup und nem Bier. Und rülpsen.

Früher war das nicht so. Ihr lacht, ihr jungen Mütter da draussen. Unvorstellbar für euch. Ohne pausenlos online zu sein und alles zu googeln und nachzulesen. Ohne Instagram und Fazebuk. Das war komplett anders als heute.

Wir Mütter, es muss so vor 10 Jahren gewesen sein, wir haben echt zusammengehalten. Wir haben uns gegenseitig die Kinder abgenommen am Kindergarten, waren da wenn die eine noch einen Termin hatte oder es nicht geschafft hat rechtzeitig, ein Kind krank oder der Chef doof war. Wir haben uns wirklich unterstützt und zusammen nicht nur das Ende des jährlichen Elternabends gefeiert. Neben dem Kindergarten, waren die anderen Mütter dort, mein soziales Netz. Viel früher hatte man die Grosseltern noch in der Nähe, aber mittlerweile, wohnen diese ja meist weiter weg und können nicht mal eben schnell einspringen.

Ich hab jetzt wirklich den ganze Nachmittag hier hin und her überlegt, aber früher war es anders. Wir haben uns nicht gegenseitig bewertet und niemand von uns wollte die bessere Mutter sein oder etwas „richtiger“ machen als die Andere. Das klingt für die heutige Zeit, zu schön um wahr zu sein. Aber es war so. Wir sind heute übrigens noch miteinander befreundet, wir Mütter, die wir am Elternstammtisch noch rauchen durften und Bier tranken. 😉

Nach uns, kam ein Vater mit Bart und Jeans der in eine Sandburg eine Flasche mit Holunderlimonade gestellt hat. Die Limonade schoss dann raus, wie bei einem richtigen Vulkan. Nicht nur wir waren fasziniert… gut dass die beiden blauen Jungs Schutzkleidung trugen, die fanden das nämlich, zum Leidwesen der Eltern, meeeega!

Es gibt sie doch noch. 😉 !
Und es ist schön zu wissen, dass sich die Zeiten ändern werden. Der Lauf der Dinge halt. Ich hoffe sehr, dass Mütter und Väter dann wieder auf sich und ihren Instinkt vertrauen und weniger auf das, was vermeintliche Fachfrauen und – Männer schreiben. Für die eigene Familie und die eigenen Kinder gibt es nämlich nur eine Fachfrau und einen einzigen Fachmann. Mama und Papa.
Make it your way…  – und kümmert euch doch nicht um den Rest.

 

 

 

 

 

8 comments on “moderne Spielplatzsünden.

  1. Du sprichst mir aus der Seele

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  2. Tja und das gegenseitige Beurteilen und Bewerten wird noch schlimmer, wenn man sich erstmal trennt. Auch wenn oder gerade weil es dann nur noch einseitig aus der Machtposition der Mutter heraus passiert. Und plötzlich gibt es nicht mehr eine Fachfrau und einen Fachmann für die Kinder, sondern nur noch eine Fachfrau, die schalten und walten darf, wie es ihr beliebt.

    Also auch wenn dieser Artikel leider traurige Wahrheiten enthält, es gibt doch wirklich Schlimmeres, als das was Fremde denken und sagen.

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    • Da magst du vollkommen Recht haben und ganz gewiss kann ich dir bestätigen, selbst aus der Position, so wie du sie beschreibst heraus, geht es schlimmer.

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  3. Hey! Mir gehts ähnlich. Seit siebzehn Jahren bin ich nun Mama. Damals musste ich sehr um Verständnis werben, weshalb warum usw. das Kind mit einem Jahr, ganze drei Tage, also von sieben bis um eins, die Woche in die KiTa ging. Heute muss ich mit Nachdruck um Respekt bitten, weshalb das vierte Kind, unser Frühchen bis drei(!) zu Hause blieb….
    Und mir fehlt irgendwie die Selbstverständlichkeit, sowohl die der Umgebung noch finde ich die von früher bei mir selbst grad. Muss sie unbedingt suchen gehen, damit sie da ist, wenn ich sie brauche… Danke!

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  4. Interessant. Ich bin JETZT das erste Mal Mama und empfinde es als ganz schlimm, wie gerade auch Mütter untereinander miteinander umgehen. Und habe mich lange gefragt, ob das an mir liegt. Denn genau das, dass Mamas sich gegenseitig unterstützen und Halt geben, höre ich von „früher“ immer wieder……. Hm. Schade eigentlich.

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    • Ja, aber ich glaub immer noch daran, dass es anders geht und irgendwann sich die Zeiten auch mal wieder ändern und Mütter aufhören damit. ( Obwohl ich mich manchmal frage, ob es das nicht einfach schon immer gegeben hat. Nur hatte die Generation meine Mutter zB damals kein Internet und nicht die Möglichkeit ein solch breites Publikum per Knopfdruck zu erreichen… 🤔 so wie ich vor 10 Jahren… ) machen wir es doch einfach anders 😉

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