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Vermisst.

Und dann sitzen wir Abends zusammen,bei einem Glas Wein und dann reden wir. Wie das eigentlich so war, für jeden von uns. Nicht im Grossen und Ganzen, sondern darüber, wie wir das jeder so wahrgenommen haben, die einzelne Situationen. Damals, vor zwei Jahren. Was uns gefehlt hat am Elternwerden, am Vater- und Mutter sein. Was so anders war.

Halten wie ein richtiges Baby. Das hab ich vermisst. Damals. Vor zwei Jahren. Ihn im Arm zu halten, wie ein richtiges Baby, in sein Gesicht zu schauen, sein Gesicht küssen zu können und ihn einfach ein bisschen an mich zu drücken. Wie ein Baby halt. Auge in Auge, von Angesicht zu Angesicht.

Für Aussenstehende nicht zu Verstehen, aber ich wollte so gerne Normalität.

Ich durfte nach nur 2 Tagen damals schon känguruhen. Ich weiss, dass ist unglaublich früh und in vielen Kliniken muss man wochenlang warten, bis man sein Baby überhaupt mal ohne Handschuhe berühren kann. Bis man es überhaupt selber anfassen darf. Das Gefühl neben dem Inkubator zu sitzen und sein Kind nicht in den Arm nehmen zu können, nicht beschützen zu können, ist schlimm. Einfach nur schlimm. Nicht anfassen, nur gucken. Zugucken.

Beim ersten känguruhen lagen 240g Baby auf mir. Unter einer Folie, einer Decke, warmen Tüchern, mit einem Beatmungsschlauch, einem Pulsoxi, einem Zugang am Rest der Nabelschnur und einigen anderen Schläuchen und Kabeln. Ich glaube, all das drumherum hatte mehr Gewicht als der Klitzekleine selber hatte. Gesehen hab ich ihn nicht unter all dem Zeug. Gefühlt? Klitzekleine Bewegungen, nicht mal so viel, wie ein Kitzeln, ganz ganz wenig konnte ich fühlen.

In all den Monaten in der Klinik sind der Klitzekleine und ich nicht wirklich tolle „Känguruher“ geworden. Während viele andere Eltern stundenlang und friedlich mit ihren Babys liegen konnten, ging das bei uns beiden einfach nicht wirklich gut. Der Klitzekleine ist rumgerutscht, hat gezappelt, einen Alarm nach dem anderen dadurch ausgelöst, weil die Elektroden oder der Tubus verrutschten und ich natürlich immer unenstpannter wurde mit jedem Alarm. Ich glaube mein persönliches Highlight war, als der Arzt auf Knien neben mir, den Kleinen auf meinem Körper, neu intubiert hat.

Ich hab ihn einfach nicht sehen können. Trotz Spiegel in der Hand, man sieht den Hinterkopf und vielleicht ein bisschen das Gesicht des Babys. Für mich aber zuwenig um beurteilen zu können, ob es ihm schlecht geht oder nicht. Ich hab es vermisst, ihn nicht wirklich ansehen und halten zu können.
Selbst heute, wenn ich den grossen Klitzekleinen in dem Arm nehme, wie ein Baby, muss ich noch daran denken, wie wir das in der Klinik das aller erste Mal gemacht haben. Im sitzen das Baby einfach im Arm halten. Ein bisschen an sich drücken können und anschauen. Ach, das war mein Highlight. Das hatte ich vorher sehr vermisst.

Und der Daddy? Der hat erzählt, dass er ihn gerne oft hochgenommen genommen hätte, zum trösten. Was aber ja mit dem Glaskasten drum herum nicht ging, man konnte ja nur die Hände reinhalten. Mit all den Kabeln und Zugängen hat es anfangs ja auch zwei Leute gebraucht, um ihn allein aus dem Inkubator zu holen zum känguruhen.

Während wir darüber reden hier, fällt uns noch ein, wie wir beide damals den Klitzekleinen nach dem känguruhen natürlich alleine zurücklegen wollten. Also bitte, haben wir ja damals schon Xmal mitgemacht und sooo schwer kann das nicht sein. Wir zwei alte Hasen.
Das Ende vom Lied war, das er zwar im Inkubator lag, allerdings falsch herum und alle Kabel und Elektroden so verdreht waren, dass wir ihn nicht mal mehr umdrehen konnten. :-)) Er musste komplett neu verkabelt werden. Wir haben auch viel gelacht…

Es ist einfach alles anders, der ganze Umgang mit dem eigenen Baby ist in den ersten Wochen und Monaten komplett anders, als mit einem reif geborenem Kind. Und trotzdem ist man die Mutter und man ist der Vater und die Bedürfnisse, die Wünsche und auch die Instinkte sind alle da.
Man kann die einfach zurückstellen und abwarten. Oder aber man redet darüber und mit viel Einfühlungsvermögen der Schwestern, sitzt man dann da und hält sein Frühchen wirklich sitzend auf dem Arm und kann es dabei das erste Mal anschauen, halten und küssen, wie Mütter das so machen. 😉

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