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hauptsache gesund!

Und, was wünscht ihr euch? Junge der Mädchen?
Ach, dass ist uns vollkommen egal, Hauptsache gesund.

Dank Instagramm, YouTube und Facebook erlebe ich gerade, einige viele schwangere Frauen. Und überall immer wieder die Frage:“ Was wünscht ihr euch denn? Junge oder Mädchen?“.  Die Antwort ist fast immer dieselbe: “ Das ist egal, Hauptsache gesund.“

Vor einigen Tagen, während ich die Küche aufräume und der Daddy hier mit dem Klitzekleinen neben mir spielt, geht mir der Satz nicht aus dem Kopf. Hauptsache gesund. Angenommen, ich wäre noch einmal schwanger und man würde mir die Frage stellen, ich glaube „Hauptsache gesund“, das wäre jetzt nicht (mehr) meine Antwort.

Gesundheit ist das höchste Gut und überhaupt das wichtigste im Leben. Gesund zu sein. So sagt man. Ein gesundes Kind zu haben, ein gesundes Baby zu bekommen. Das wünscht man sich und vor allem seinen Kindern wünscht man Gesundheit. Natürlich wünsche ich genau das, allen meinen Kindern. Das sie gesund und munter zur Welt kommen und möglichst gesund und munter bleiben.

Zweimal habe ich gesunde Kinder zur Welt gebracht. Beim dritten Kind war alles anders. Von „gesund zur Welt kommen“, da war er 16 Wochen und mindestens 2,5kg entfernt. Aber was ist jetzt anders? Anders als bei den anderen beiden? Liebe ich ihn anders? Mehr oder weniger? Ist er ein unglücklicher kleiner Kerl, der mit seinem Schicksal hadert? Habe ich ein Problem damit, dass er anders ist als gleichaltrige Kinder?

Seit Tagen denke ich darüber nach. Es geht mir nicht aus dem Kopf. Ist etwas anders? Dazu muss man sagen, dass unser Alltag nicht viel anders abläuft, als mit einem ganz gesunden Baby. Gut, es gibt hier Medikamente, es muss inhaliert werden und Hände-waschen ist für alle hier nochmal wichtiger als vorher. Die vier grossen Kinder wissen, das der Kleine anfälliger ist und in seiner Entwicklung langsamer. Manchmal wollen sie wissen, ob er das aufholen kann, ob er normal zur Schule gehen wird und so weiter. Beantworten kann das niemand, schauen wir einfach was kommt. Hautsache gesund – ist mir das, aus heutiger Sicht, wichtiger noch als das Wissen um das mögliche Geschlecht? – Ja und Nein.

Vor 2,5 Jahren habe ich das anders gesehen. Vor 2,5 Jahren, das war mein Wunsch, einfach ein gesundes Kind zu bekommen. Nach der ersten Diagnose und der Tatsache, dass ich das erste Mal im Leben wirklich vor der Entscheidung stand, dieses Kind zu bekommen oder es auf Grund seiner möglichen Behinderung, der möglichen Einschränkung seiner Lebensqualität, der möglichen Probleme für uns als Familie, nicht zu bekommen, da war das alles gar nicht mehr so einfach. Ich war mir sicher, ein behindertes Kind, das schaffe ich nicht und das schaffen wir als Familie erst Recht nicht.
Allerdings wusste ich, dass ich viel weniger noch es schaffen würde, mein Baby, unser Kind umzubringen und nicht lebend zur Welt zu bringen. Es nicht wenigstens zu versuchen. Die Schwangerschaft zu beenden, kam nicht in Frage.

Und heute? 2,5 Jahre später? Bereue ich nicht eine Sekunde, dass wir uns für ein Leben mit einem Kind entschieden haben, was sich anders entwickelt als Statistiken und Studien vorausgesagt haben. Ich würde es immer wieder tuen! Ich bin reingewachsen in dieses Leben, von dem ich vorher so wenig wusste. Ich habe gelernt, im Augenblick zu leben, kleinere Schritte zu gehen und weniger zu planen und die Dinge einfach auf mich zukommen zu lassen und ich persönlich finde, dass ich weit über mich rausgewachsen bin, dass ich weit mehr kann und schaffe, als ich jemals vorher gedacht hätte.

Hauptsache gesund. Man sagt das einfach so. Und es stimmt ja auch, ich wünsche allen, dass ihre Kinder gesund zur Welt kommen. Ich glaube aber, wenn man einmal vor der Entscheidung steht, eventuell ein Kind zu bekommen, was nicht ganz gesund ist, dann sagt man das nicht mehr so einfach. Zumindest ich, ich würde das heute nicht mehr sagen. Wahrscheinlich würde ich sagen:

Et kütt wie et kütt…

(PS: Für alle, die nicht aus dem Rheinland stammen… Et kütt wie et kütt heisst soviel wie:
Es kommt wie es kommt…)

6 Kommentare zu “hauptsache gesund!

  1. Frau Lerche

    Wieder ein wunderbarer Text. Ich habe das dringende Bedürfnis dir einmal für die offenen Worte und dafür, dass du anderen Frühcheneltern damit Mut machst zu danken.
    Also ganz einfach und aus tiefstem Herzen: DANKE!

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  2. Ich bin eigentlich ein Stillermitleser, für diesen Text muss ich einfach schreiben, wie recht du hast.
    Vielleicht suchen sich kinder wirklich ihre Eltern aus, bringen Herausforderungen mit.
    Man wird so dankbar einfach mit dem Kind an der Seite gehen zu dürfen, es beobachten, genießen und begleiten können. Sehen, wie es das Leben entdeckt.
    Viele besondere Kinder merken , dass sie anders sind, aber sie kennen es nicht anders und hadern viel weniger als wir `großen`,die wir Ihnen gerne Erfahrungen ersparen möchten, weil wir unsere Sicht der Dinge miteinfließen lassen.
    Einander annehmen und Freude aneinander haben, ist das nicht wundervoll.
    Für uns ist das am einfachsten innerhalb der Familie, ähnlich wie bei euch eine Großfamilie.

    Ich wünsche dir weiterhin Freunde mit diesem tollen Kind im hier und jetzt.
    Liebe Grüße

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    • Vielen Dank für deinen netten Kommentar! Schön zu lesen, dass es dem ein oder anderen genau so geht wie uns! Ich wünsch dir und deiner großen Familie alles liebe und Gute 😘

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  3. Hi, ich bin auch Mama eines Extremfrüchens. Mit allerhand Frühchfn Gimmicks (Hirnblutung, Darmentzündung, Augen- das „best-of“). Und ich dachte ich bin die einzige die über den Spruch „Hauptsache gesund“ nachgrübelt. Ich frage mich immer- was willst mir damit für meinKind sagen? Es ist nicht gesund- was jetzt? Ich sag: Hauptsache glücklich. Hauptsache wir können noch viel und laut lachen.
    Ich kenn dich nicht- aber ich mag dich und könnt mir vorstellen mal ein Bier mit Dir zu trinken 😉

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