Elternzeit.

In meinen Augen, ist der Begriff “ Elternzeit“ absolut irreführend. Nie hatten wir Eltern weniger Zeit, als in den letzten beiden Jahren.

Nie waren wir weiter entfernt voneinander als in der Elternzeit. Früher, da passte kein Blatt zwischen uns. Heute liegen Welten zwischen uns.

Während der Daddy tagsüber in „Comedy“ macht, schwirren in meinem Kopf die ganzen Bilder der letzten beiden Jahre umher. Das macht es nicht unbedingt leichter, abends auf einen gleichen, möglichst romantischen Nenner zu kommen.

Auf ein Baby und auf das, was es heisst plötzlich ein Baby im Haus zu haben, darauf waren wir beide vorbereitet. Ganz sicher. Nach vier Kindern und der Tatsache, dass wir die Hälfte davon sogar schon durch die Pubertät bekommen haben, ach was waren wir uns sicher 🙂

Und nu? Nun ist es leider, leider wie bei dem Paaren, die gerade das erste Kind bekommen haben und denen keiner gesagt hat, dass die Bilder in den Zeitschriften alle gelogen sind!
Wir sind genauso müde und gereizt und fühlen uns beide – zu recht übrigens- unverstanden und mit allem alleine gelassen.

Wir beide wuseln, jeder für sich, durch den Alltag und schaffen es nicht uns irgendwo zu treffen. Fange ich an zu erzählen…“ wieder Notaufnahme, Urin war auffällig...“, kann der Daddy ja nun schlecht mit „… drehen wir mit XY und der Typ ist so nett und lustig“ ankommen. Wir haben uns im Laufe der Zeit von einander entfernt. Wir haben wenig Schnittpunkte, wenig gemeinsam. Ausser vielleicht die leere Rolle Toilettenpapier, die niemand weggeräumt hat und über die wir uns dann gemeinsam aufregen können.

Elternzeit. Der Name ist nicht Programm sondern eine Warnung, eine Erinnerung, eine Mahnung: Hallo Eltern: Nehmt euch Zeit! Habt Elternzeit!

Das klingt immer so einfach. Aber ich bin davon überzeugt, mit dem Warten auf bessere Zeiten ist es nicht getan, das kann man nicht aussitzen und ausserdem ist mir die Zeit viel zu kostbar. Ich will uns wieder zurück, ich möchte wieder ein WIR sein.
Deshalb sind wir jetzt beide und öfter in Elternzeit. Alleine zu Zweit. Beim einkaufen, beim Spazierengehen, und ab und an auch beim Inder, zwei Häuser weiter. Die grossen Kinder passen in der Zeit auf den Klitzekleinen auf und wir beide halten sogar mal Händchen 😉

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