verspätet.

Er ist spät dran. Und eigentlich auch wieder so gar nicht. Dafür bin ich verwirrt.

Es ist soweit. Ich bin mir sicher, es wird Zeit für den Kindergarten. Zeit für Kontakt mit anderen Kindern im gleichen Alter, Zeit neue Dinge kennenzulernen.
Wobei, Kinder im gleichen Alter? Welches ist denn eigentlich sein richtiges Alter?
Ist er 2 Jahre, 20 Monate oder 16 Monate alt?

Allein der Kauf eines popligen Schnupfensprays kann da zur Herausforderung werden. Das ab 2 Jahre? Oder eher noch das für Säuglinge? Wie bestimmt man das richtige Alter einer Schnupfennase?

Das der Klitzekleine entwicklungsverzögert ist, das ist keine Überraschung bei dem Frühstart in der niedrigen Gewichtsklasse. Da bin ich auch ganz entspannt, er ist soo spät dran mit allem, dass er weder auf irgendeiner Kurve liegt, noch auf einem Plakat beim Kinderarzt zu finden ist. Auch Sätze wie “ In der Regel haben Frühchen bis zum korrigierten 2. Geburtstag alles aufgeholt“ kümmern mich nicht und schon gar nicht lassen sie mich nervös werden. Meist haben weder die Ärzte noch die Therapeuten jemals überhaupt ein 240g Frühchen live gesehen, geschweige denn einen Erfahrungsschatz oder eine Statistik auf die sie zurückgreifen könnten, was da die zeitgerechte Entwicklung angeht.

Zeit ist mir bei der Entwicklung absolut egal. Zeit ist unwichtig. Wichtig ist doch, dass die Möglichkeiten, die Vorraussetzungen da sind. Ob er jetzt mit 18 Monaten läuft oder 28 Monaten, ist doch völlig unwichtig. Wenn ich mitbekomme, wieviel Sorgen sich Eltern um ihre eigentlich gesunden Kinder doch machen, weil diese nicht zeitgerecht entwickelt sind, dann bin ich ein bisschen froh, das wir eh immer spät dran sind und man eigentlich Nichts erwartet hat von dem Klitzekleinen.
Er braucht hier und da länger, kann aber auf der anderen Seite dafür schon ganz gut mithalten.

Jetzt geht es um den Kindergarten. Einen ganz normalen Kindergarten, wo er unter gleichaltrigen Kindern wäre oder doch lieber ein integrativer Kindergarten? Ich weiss es ehrlich gesagt überhaupt nicht, ich bin total hin und her gerissen. Er wird in den nächsten Jahren aufholen und ich persönlich gehe davon aus, dass bis zum Beginn der Grundschule kaum ein Unterschied zu anderen Kindern sein wird. Nur, der Weg dahin?

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man dran zieht.
Ich bin wirklich nicht gegen Förderungen und Therapien, überhaupt nicht. Aber, ich glaube immer noch daran, dass viele Dinge durch Neugierde, Ausprobieren und Versuchen gelernt werden. Durch Selbermachen und selber erleben und das ist nicht immer an ein Zeitfenster gebunden. Das auch Frust gelernt werden muss. Das all das zu einer Entwicklung dazugehört, vielleicht sogar erst möglich macht. Für mich kommen Therapien und Fördermassnahmen erst dann ins Spiel, wenn ich merke, da hängt was. Da gehts nicht weiter, da muss man mal ein wenig helfen. Das muss nicht unbedingt im Kindergarten erfolgen, die Zeit dort soll einfach nur zum spielen und entdecken sein. Ich denke, dass der Klitzekleine im Kindergarten viel von anderen Kindern lernen kann. Aber, er wird in einer Gruppe zeitgerecht entwickelter Kinder, immer der Kleine sein, der erst einmal hinter hinkt. Der viele Dinge einfach noch nicht kann. Immer der Letzte sein ist auch nicht so toll.

Also doch lieber einen Kindergarten, in dem es auch andere Kinder gibt, die speziell gefördert werden müssen? Wo er nicht das einzige Kind ist, was von der Norm abweicht? Ich hab ein wenig Angst, dass man mir und dem Klitzekleinen einfach die Zeit nimmt. Die Zeit ihn machen zu lassen, in seinem Tempo. Wie gesagt, ich bin was verwirrt und noch hab ich keine Ahnung was hier das Richtige ist. Genauso wie ich ist keine Ahnung habe, wie alt der Kleine eigentlich gerade ist. Zwei Jahre? oder 20 Monate? argh….

6 Kommentare zu „verspätet.

  1. Bei meinem Kleinen wird die Abstand zu seiner Altersklasse immer größer. Das war so nicht abzusehen. Aufgeholt wird nur halb so viel, wie normale Kinder dazu lernen. Da ist ein integrativer Kindergarten sehr gut. Die Erzieher können mit einer abweichenden Entwicklung umgehen. Therapien kann man in Anspruch nehmen, muss man aber nicht. Das entscheiden die Eltern. Die Gruppe ist altersgemischt von 2-6 Jahren und das ist gut so. Wir sind zu Frieden mit der Entscheidung, aber letztlich hängt die Qualität der Kita von den einzelnen Erziehern ab. Da kann man Glück oder Pech haben….5

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  2. Ich bin Mama von 3 Jungs, die jüngeren sind Zwillinge. Und Erzieherin. Ich kann deine Überlegungen sehr gut nachvollziehen und beide Möglichkeiten haben Vor- und Nachteile.
    Vielleicht solltest du dir mehrere Einrichtungen einfach mal anschauen und dann nach deinem Bauchgefühl gehen… Was nützt es dir, wenn du dich scheinbar für das beste Konzept entscheidest und du dein Kind dort nicht gut aufgehoben fühlst… Es steht und fällt soviel mit dem Personal! Da hilft manchmal die beste Ausbildung nix, wenn das Herz nicht am rechten Fleck ist!
    Liebe Grüße und alles Gute!

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    1. Lieben Dank Nicole! Ich denke auch, ich werd spontan und aus dem Bauch raus entscheiden und die Einrichtung nehmen, in der wir einen Platz bekommen und die mir ein gutes Gefühl gibt.

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  3. Unser Kleiner besucht jetzt den gleichen Waldkindergarten, den seine Geschwister besuchten. Zunächst dachten wir Eltern, dass wir ihn in einem Waki aufgrund seiner Entwicklungsverzögerung überfordern könnten… Aber nachdem mich mein schlechtes Gefühl beim Hinbringen des Kleinen in den eigentlich angemeldeten Kindergarten schon an der Türschwelle scheitern ließ, fasste ich mir ein Herz und rief doch noch im Waki an und am anderen Ende war ein sehr herzlicher Mensch am Apparat…
    Und nun ist echt alles prima, gleich gestartet mitten im richtigen Winter mit Morgenkreis, Schlittenfahren, Erkundungstouren, Spurensuche etc. Er kann alles (in seinem Tempo) mitmachen oder es gibt Angebote für alle in der Hütte, wenn es draußen sehr ungemütlich ist.
    Ich wünsche euch ebenfalls so wunderbare Menschen mit Herz, Mut und Engagement und einen Ort, an dem die Freude wohnt! LG, Chrisi

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    1. Ach ein Waldkindergarten! Wie schön! Das war eigentlich unser erster Wunsch. Frische Luft für seine Lunge, er hätte die Chance motorisch einiges zu lernen… – aber er kann halt nicht laufen. Wann er das können wird, das weiß ich nicht. Somit ist er für die Waldkindergärten hier nicht geeignet, hier gibt’s nur „Läufer“…

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