Ankommen. Zurückkommen.

Vor so ziemlich genau 8 Monaten haben Klitzeklein und ich die Klinikwelt verlassen und sind nach hause gegangen. Aber ist „nachhause“ auch „zuhause?“  Und warum komme ich irgendwie nicht wieder an, da in meinem Leben?

Wir sind zuhause. Endlich! Maxi Cosi, Baby drin, Sauerstofftank auf der einen und Monitor auf der anderen Schulter. Die Bewegungsabläufe und die Organisation mit Baby und dem ganzen Equipment sind durchaus noch zu verbessern. Wir stellen ihn auf der Wickelkommode ab und alle gucken wir. Die Kinder, die Hunde, die Katze… Der Sauerstoffschlauch liegt das erste Mal quer durchs Erdgeschoss. Wir werden uns dran gewöhnen. An alles werden wir uns gewöhnen. Mit der Zeit.

Jetzt sind 8 Monate um, der Sauerstoff steht nur noch in der Ecke für den Notfall. Auch der Monitor liegt (fast) nur noch im Schrank, dennoch beruhigt mich das Dasein dieser Sachen sehr. Wenns nach dem Daddy ginge, dann könnte alles abgeholt werden. Brauchen wir nicht. Das denke ich zumindest, den all das was über das normale “ wir haben ein Baby“ hinausgeht, ist offensichtlich mein Job.

„Ich sorge hierfür“, seine Hand zeigt über das volle Warenband an der Kasse. Er lacht. Sollte ein Scherz sein. Mich hat es trotzdem getroffen. Gerade weil ich mir so allein gelassen vorkomme zur Zeit. Von der täglichen Medikamentengabe, den Mahlzeiten, den Arztterminen zur Impfung, Termine beim Kardiologen, Termine in der Radiologie, Termine im SPZ, neue Physiotermine machen. All diese Termine machen, hinfahren und wenns gut läuft „sehen wir uns in drei Monaten wieder“. Das nimmt einfach irgendwie kein Ende. Und bei jedem dieser Termine gibt es immer wieder Entscheidungen zu treffen. Noch eine Synagis Impfung im April? Oder reicht der Impfschutz uns aus? Ich entscheide alleine ob uns das ausreicht.

Räumlich mag ich nicht mehr in der Klinik sein. Aber zuhause angekommen bin ich noch nicht. Noch nicht wieder bei mir. Was macht mir Spass? Und vor allem, was machen die Dinge die ich früher gemacht habe? Ich TV Junkie, die Arbeit beim selbigen… ausgehen, shoppen… Schuhe & Taschen… meine Familie, meine Freunde. Alles und alle hatte seinen Platz in meinem Leben.

Heute reizt mich so gut wie nichts mehr. Meine Welt ist die Frühchenwelt. Meine neuen Freunde sind Frühcheneltern, ich besuche Frühchengruppen, selbst in den sozialen Medien… es dreht sich alles darum und ich will wirklich, wirklich wieder mehr mitbekommen vom Leben da draussen. Nicht nur die Überschriften in der Tageszeitung lesen, wenn überhaupt. Ich hab nichts zu erzählen! Das muss man sich mal vorstellen, wenn wir uns auf nen Kaffee treffen, ihr könntet mir alles erzählen, ich wüsste es garantiert noch nicht! Es sei den man hat auffällig oft Lieder eines Künstlers im Radio gespielt, dann könnte es sein dass ich da allerdings dann doch schon was mitbekommen habe. Und das ist nicht das erste Baby hier. 😉 Daran liegt es auf jeden Fall nicht.

Während um mich rum also alle ihr Leben weiter leben wie vorher, die anderen Kinder vor sich hin pubertieren, der Mann an schönen Aufträgen arbeitet, für die ich vor einigen Monaten mir selber noch ein Bein ausgerissen hätte, rücke und räume ich das Haus um. Teppiche werden gekauft, Sofas gerückt… Verspäteter Nestbautrieb wahrscheinlich. Oder vielleicht doch einfach nur der Versuch ein Zuhause zu schaffen. Mich zuhause zu fühlen, bei mir und mit mir. Und dann, ja dann komm ich bestimmt auch wieder aus meiner FrühchenWelt und schaue mal was ihr so macht.

 

( Und ja, ich weiss es. Ich hab das alles nie richtig verarbeitet. Ich hätte mir unbedingt schon vor Monaten die Zeit nehmen sollen einfach mal umzufallen, ein bisschen in Selbstmitleid zu ertrinken und vor allem einfach mal richtig loszuheulen, alles raus zu lassen um dann endlich den Platz zu haben für all das, was jetzt auf der Strecke bleibt.)