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Die Erste.

„Nach gut anderthalb Stunden, spätestens nach zwei, haben sie ihren Sohn dann wieder.“
Jetzt sind genau 3 Stunden 
vergangen und wir haben ihn noch nicht wieder.
Wir warten. Wie schon den ganzen Morgen.

Ich hab es rausgeschoben. Die OP der Leistenbrüche. Irgendwann aber muss es gemacht werden und unser Kinderarzt hat Recht: Besser eine geplante OP und nicht am Ende noch eine Not-OP draus werden lassen.

Ein bisschen schiebe ich den Termin in der Klinik bei den grünen Männern, den Kinderchirurgen, noch vor mir her. Das Gespräch ist nett, wenn man ein halbes Jahr mit seinem Frühchen in der Klinik verbringt, kennt einen ja fast jeder.
Der Arzt erklärt mir mehr als ich eigentlich wissen will und wir machen eine Termin zur OP aus. Vier Wochen später. Narkosegespräch haben wir direkt im Anschluss, wir brauchen auch erst am Tag der OP morgens kommen. Das Kind sollte nüchtern sein, um zehn gehts los.

Um 12h sind wir dann fertig und um 13h bestimmt auf dem Zimmer. Klitzeklein ist ja eigentlich ein starkes Kerlchen und ein Leistenbruch nun wirklich keine grosse Sache. Ich sehe uns schon abends wieder nach hause fahren. Ich kenne mittlerweile jeden online verfügbaren Bericht in Sachen „Leisten-OP ambulant“ 😉

Und nun warten wir die 3. Stunde. Wir wissen gar nichts. Haben sie einfach nur später angefangen? Gab es Probleme? Hat er es mit dem atmen nicht geschafft? Hält mein Handakku? Vielleicht ist einfach sein Herz stehen geblieben? Hab ich alles erzählt? An alles gedacht? Vielleicht doch zu wenig inhaliert? Und den Monitor benutze wir auch nicht mehr so wirklich…

Die Kinder simsen aus der Schule und wollen wissen wie es gelaufen ist. Der Daddy schaut nur aufs Handy. Wir schauen uns gar nicht an. Ich möchte lieber nicht sehen dass er Angst hat oder sich Sorgen macht. Ich lüge die Kinder ein kleines bisschen an, erzähle das alles super ist, wir nur noch warten müssen weil so spät angefangen worden ist.

Nach drei Stunden darf ich endlich zu ihm. Man versucht gerade ihm im Aufwachraum eine Windel anzuziehen. Der kleine nackte Kerl schimpft und jammert und weint. Die Schwester und der Pfleger vor Ort sind einfach nur zauberhaft. Ich bekomme ihn sofort auf den Arm, Decken kommen noch und der Pfleger macht die erste Milchflasche seines Lebens. Klitzeklein jammert und weint furchtbar. Im Bett liegen noch seine Anziehsachen. Ich habe ihn vor 3 Stunden einer fremden Frau gegeben, sie ist mit dem lachenden Klitzeklein durch eine Türe und was dann passiert ist weiss ich nicht. Wer hat ihn ausgezogen? Hat er da schon geweint? Wie konnte ich ihn nur alleine lassen? Oh Gott, er wird mir doch nie wieder vertrauen. Ob er grosse Angst hatte? Ich könnte einfach nur in Tränen ausbrechen. Warum hab ihn alleine gelassen…

“ Es ist so laut hier „ – eine ältere Dame neben uns ist offensichtlich ein bisschen genervt von Klitzkleins Dauerjammern. Ich aber kann ihn einfach nicht beruhigen, er ist total durch den Wind von der Narkose.
“ Ja das ist laut hier, aber seien sie froh! Is ist ja auch ein Aufwachraum! Sie können später noch genug schlafen junge Frau!“  Die Schwester zwinkert mir zu. Ein Zäpfchen soll Klitzeklein die Schmerzen nehmen, langsam wird er ruhiger. Gegenüber inhaliert ein älterer  Herr fleissig, er darf erst aufs Zimmer wenn die Atmung besser klappt. Die Stimmung ist nett. Irgendwie.

Der Chirurg erklärt mir warum alles sooo viel länger gedauert hat, Klitzeklein es aber super gemacht hat und stabil war. Die nächste OP sollte dann am besten im laufe des nächsten Jahres noch sein. Ich bin bisschen überrascht  und stelle ich erst mal fest, dass ich den Augenblick jetzt gerade für vollkommen falsch halte darüber zu reden. Geschweige den darüber nachzudenken. Der grüne Mann hat verstanden und geht, der Krankentransport kommt, wir wünschen den anderen Patienten noch alles Gute, der ältere Herr soll fleissig pusten und endlich sehen wir den Daddy wieder. Klitzeklein und ich fahren im Krankenwagen auf die Station… mittlerweile ist es 16h und ich fühle mich wie verprügelt…