Art und Weise

Endlich zuhause mit Baby. Endlich raus aus dem Krankenhaus und zuhause.
Wir haben es geschafft, Klitzeklein und ich sind zuhause. 154 Tage war ich tagsüber bei ihm im Krankenhaus und bin abends nach hause gefahren um mit meiner Familie zu essen und dort zu übernachten natürlich.
Jetzt sind wir endlich alle zuhause, alle zusammen.

Wir haben ordentlich gelitten. Unser Familienleben, unsere Paarbeziehung, alles hat unter der Situation gelitten und erst jetzt, nach einigen Wochen zuhause, bemerke ich die ganzen kleinen Schäden die wir genommen haben.
Als Patchworkfamilie zu leben, ist schon nicht einfach. Nichts ist gewachsen, alles haben wir mühsam neu aufgebaut, umgebaut, Rituale und Strukturen geschaffen. Jeder hatte seine Rolle und seinen Platz gefunden. Bis Klitzeklein mich in hohem Bogen rauskatapultiert hat aus meinem Leben. Ich war Gast zuhause, Gast bei meiner eigenen Familie.

Ich habe so gut wie gar nichts mitbekommen vom Alltag meiner pubertierenden Kinder zuhause. Leider haben die auch vieles nicht mitbekommen und nun zahlen wir an die Nachhilfe und haben ungelogen einen Container bestellt um die Kinderzimmer von Chipstüten, benutzten Wattepads und unglaublichem Kram und Müll der letzten Monate zu befreien. Dafür freuen wir uns, dass wir nun auch wieder alle Teller und Schalen in den Küchenschränken haben und ich habe das Gefühl ich starte in Sachen Erziehung bei Null. Bitte geht duschen und räumt dann das Bad auf…. ja, wir essen am Tisch…. nee alle zusammen… Hausaufgaben gemacht? Elternbriefe?…. leider scheinen sie nur Online den nächsten Level erreicht zu haben. Im realen Leben brauchen sie offensichtlich noch ein bisschen.

Und Klitzekleins Daddy und ich? Wir haben uns auch nochmal neu Kennengelernt. Ob es gut oder schlecht ist? Ob man drauf hätte verzichten können? Schwer zu sagen. Vielleicht wars gut. Er ist mein Halt all die Jahre. Mein souveräner Fels in der Brandung, bei ihm bin ich sicher und kann mich blind fallen lassen. Dann kam Klitzeklein an einem Montag morgen in unser Leben und ab Dienstag war ich alleine.
Daddy hat zuhause den Laden geschmissen so gut er konnte und auf seine Art und Weise. So wie jeder mit der Situation und dem ihm gestellten Aufgaben halt umgeht. Jeder auf seine Art und Weise und irgendwie anders als man selbst.
In meinen Augen durfte Daddy arbeiten gehen und zuhause bleiben und musste nicht jeden Tag ins Krankenhaus und jeden Morgen die Angst aushalten, was bringt der Tag und hoffentlich ist alles gut. Dabei hätte ich ihn so gerne bei mir gehabt, an meiner Seite. Bei Visiten, wenn der Monitor Alarm gemacht hat oder Klitzeklein wieder einen neuen Zugang bekommen hat weil die Entzündungswerte gestiegen sind. Er hat mir so gefehlt und mich doch auch oft  wütend gemacht. „Wir grillen gerade was, Kuss“ –  „OK, Entzündungswerte sind gestiegen, legen jetzt nen Zugang“ – In diesen 154 Tagen passte einfach nichts zusammen.

Doch, eigentlich war es doch gut. Das nochmal Kennenlernen. Ich weiss jetzt, das ich alleine mit mir wunderbar zurecht komme, dass ich stark genug bin und mehr Geduld aufbringen kann als ich jemals für möglich gehalten habe. Ich weiss, dass ich es niemals geschafft hätte hier zuhause den Grill an zu machen und so für die anderen Kinder hätte da sein können, so wie er es konnte.

Viel ist auf der Strecke geblieben und ganz sicher gibt es Paare und Familien die daran zerbrechen. Wir gehen beide absolut unterschiedlich mit solchen Situationen um und es sind auch ordentlich die Fetzen geflogen, bis ich verstanden habe, dass es auch nur so klappen konnte. Das wir uns nur so ergänzen konnten. Wir haben beide unser Bestes gegeben, die Kunst ist den anderen dass auch dann einfach machen zu lassen. Auf seine Art und Weise.

Ein Kommentar zu „Art und Weise

  1. Hallo, herzlichen Glückwunsch zur Geburt von klitzeklein und schön, dass ihr endlich zu Hause seid…. Was für eine lange Zeit! Was für ein Kämpfer! Ich habe Zwillinge in 26 +1 bekommen und kämpfe heute gegen ihren unendlichen Dichkopf an, der ihnen damals das Leben gerettet hat😋 Lg silke

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